Oder: „Chaos ist immer für dich.“

Herrlich! Feiertag, die Sonne scheint, von der Maifeier tönt sanft die Blasmusik rüber.
Endlich die Terrassenmöbel aus dem Winterschlaf erwecken und das schöne Wetter genießen.
Ganz gewissenhaft hatte ich letzten Spätherbst alles zusammengestellt und abgedeckt. Und mich ähnlich gut aufgeräumt und vorbereitet für den Winter gefühlt, wie die Nachbarn, die in diesem super modernen Haus wohnen – ganz puristisch, alles an seinem dafür vorgesehenen Platz. Einer dieser kleinen Alltags-Momente, wo ich fand: „Toll, wie ich mein Leben im Griff habe!“ ![]()
5 Monate später.
Das Leben ging weiter.
Die Nachbarskatzen, die im vorigen Winter so vortreffliche Terrassenhüter waren, sind weitergezogen. Die neue Nachbarin ist ein Geschenk des Himmels und während ich die Abdeckplane wegziehe, will ich ihr zurufen: „Komm doch nachher runter – wir eröffnen die Outdoor-Saison!“
WTF?
Woher kommen all die angeknabberten Haselnussschalen?
Ich entpacke die Möbel mit einer Mischung aus Naivität – „Vielleicht isses ja nicht so schlimm.“ – und Genervtheit – „Och Menno! Als wäre nicht schon genug zu tun!“ und sehe: Doch. Ja. Es ist schon eher ziemlich nervig …
Die Mäuse haben offenbar eine Abschiedsparty für die Katzen veranstaltet und sich diese neugewonnenen Räume so richtig zu eigen gemacht …
Und während ich vorsichtig das Mobiliar auseinander nehme kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich heute Morgen gehört habe:
„Chaos ist immer für dich.“
Das ist mein neues Mantra.
Denn ja – Chaos ist im Grunde etwas ganz Natürliches. Es gehört zum Leben dazu.
Offensichtlich;-)
Die Mäuse machten ein Riesen-Chaos – ok, relativ riesig auf 1,5 qm – und nennen es „gemütlich“.
Mich bringt dieses Chaos aus meiner Gemütlichkeit raus;-)
Chaos setzt Energien frei.
Chaos löst verhärtete Strukturen.
Chaos ermöglicht ganz Neues.
Wir müssen (und sollen) also gar nicht immer alles im Griff haben.
Nicht umsonst haben wir manchmal Lust, wie verrückt zu tanzen, uns wild durchzuschütteln oder so richtig auszupowern. Dabei entsteht eine Art inneres Chaos – das System wird aufgewirbelt. Und danach kann alles wieder neu, oder zumindest freier, an seinen Platz fließen.
Wir sind lebendige Wesen – gemacht aus lebendiger, sogar intelligenter Energie.
Energie, die fortwährend Evolution ermöglicht. Und diese Energie will fließen.
Manchmal sicherlich ruhiger – insbesondere z. B. nach Verletzungen, auch emotionalen. Doch irgendwann wieder intensiver.
Einfach der gesunden Lebendigkeit wegen.
Und ja, manchmal wollen wir vielleicht noch eine Weile in den gewohnten Räumen verharren. Gemütlichkeit ist schon auch schön! Alles zu seiner Zeit.
Und manchmal haben wir vergessen, wie das geht – sich dem Leben und der eigenen Lebendigkeit zu öffnen.
Doch das Leben hört immer mit.
So erlebe ich es.
Wenn wir sagen: „Ok, keine Ahnung, wie das gehen könnte, aber ich wäre bereit. Für mehr Lebendigkeit. Und für das wahrhaft Neue, das sie mit sich bringt.“
Dann antwortet das Leben.
Mit Situationen, die einen aus der Komfortzone holen. Mit Chaos, Verwirrung oder auch Unsicherheit.
Und das ist gut.
Warum?
Damit wir uns anders verhalten als früher. Damit auch in unserem Gehirn neue Wege entstehen können – neue neuronale Verbindungen. Und damit wir überhaupt offen werden für dieses wahrhaft Neue.
Mein ungeplanter Frühjahrsputz dient also meiner Gehirnplastizität und dem Öffnen neuer Wege. Vielleicht ist es auch nur das Reframing, das mehr Offenheit bewirkt.
Ist ja im Grunde auch gleich.
Wichtig ist doch: ich freu mich über das Chaos!
Weil ich sehe, dass sich die Komfortzone verändert. Weil ich anerkenne, dass das Leben mir zugehört hat. Weil ich nicht im Widerstand bin. Weil ich das Leben – inklusive Mäuse – nicht als Gegner sehe.
Das Leben ist immer für mich – und für dich.
Auch im Chaos.